Gefälschte Provenienzen in der Literatur und ihren Wissenschaften
Herausgegeben von Madeleine Brook, Stefanie Hundehege
Reihe: Kulturen des Sammelns. Akteure, Objekte, Medien, Band 10
209 Seiten, 23 Abbildungen
ISBN (Open Access) 978-3-8353-8084-4
ISBN (Print) 978-3-8353-5776-1
Wallstein Verlag
Erscheinungsdatum: 27.11.2024
DOI https://doi.org/10.15499/kds-010
Publiziert unter der Lizenz CC BY-SA 4.0
Was, wenn sich die Provenienz eines literarischen Objekts als manipuliert herausstellt? Wenn Handschriften oder ganze Bücher gefälscht sind und ihre Herkunftsgeschichten gezielt verschleiert werden?
Die Fälschung von Schiller-Handschriften im 19. Jahrhundert durch Heinrich von Gerstenbergk und die Stern-Affäre um Konrad Kujaus gefakte Hitler-Tagebücher erregten große Aufmerksamkeit und faszinieren bis heute. Für kulturelle Sammlungseinrichtungen wie Archive oder Museen sind Fälschungen jedoch nicht primär faszinierend, sondern vor allem ein Risiko, denn deren Erwerbungsentscheidungen basieren in der Regel auf dem Provenienzprinzip: Manuskripte, einzelne Bücher oder ganze Buchsammlungen werden erworben oder ausgestellt, weil ihnen aus ihrer Besitzgeschichte heraus kulturgeschichtliche Relevanz zugesprochen wird. Der vorliegende Band beleuchtet Theorien und Praktiken gefälschter Provenienzen in der Literatur und ihren Wissenschaften: Was macht Provenienzspuren und -ketten in literarischen Zusammenhängen authentisch? Welche Möglichkeiten gibt es im Zeitalter der Digitalisierung, gefälschte Provenienzen aufzuspüren? Wie gehen sammelnde Institutionen, Handel und Forschung damit um, wenn sich die Herkunftsgeschichte eines literarischen Objekts als gefälscht herausstellt? Nicht zuletzt nimmt der Band auch die produktive Dimension von Fälschungen in ästhetischer Hinsicht in den Blick und zeigt, wie diese motivisch in die Literatur zurückwirken.
Der Band ist im Open Access ebenfalls auf der Publikationsplattform Apis verfügbar (https://doi.org/10.15499/kds-010).
Madeleine Brook
Madeleine Brook ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und stellvertretende Leitung des Forschungsreferats am Deutschen Literaturarchiv Marbach. Veröffentlichung u. a.: Popular History and Fiction: The Myth of August the Strong in German Literature, Art and Media (2013).
mehrStefanie Hundehege
Stefanie Hundehege war von 2018 bis 2024 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Deutschen Literaturarchiv Marbach und forschte zuletzt im Projekt »Transatlantischer Bücherverkehr. Migrationswege und Transferrouten vor und nach 1945«.
mehrBeiträge
Seite 7-21Mit dem Kredit geborgter Autorität. Zum produktiven und destruktiven Potenzial gefälschter Provenienzen
Seite 36-47Provenienzfälschung an der Wiege der abendländischen Bibelüberlieferung. Der Codex Amiatinus
Seite 48-58Authorship, Provenance, and Provenience in the ›aryanization‹ of texts in Nazi Germany
Seite 104-120Mr. X und seine krummen Nummern. Ein Steckbrief aus dem Theodor-Fontane-Archiv
Seite 168-180Falscher Zauber. Original und Fälschung in Stefan Zweigs ›Die unsichtbare Sammlung‹
Seite 192-204The Quest for Literary Celebrity. Ghost Writers in Ulrich Woelk’s ›Joanna Mandelbrot und ich‹ (2008) and Klaus Modick’s ›Bestseller‹ (2006)